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Warnschuss für die Viadrina

Warnschuss für die Viadrina
Data publikacji: 2018-08-30 12:36
Ostatnia aktualizacja: 2018-09-27 12:26
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Es ist europaweit noch immer einmalig: das Collegium Polonicum in Słubice als gemeinsame Einrichtung zweier Universitäten aus zwei Ländern. Doch der Plan, dort auch eine gemeinsame Fakultät entstehen zu lassen, kommt nicht voran. Stattdessen gibt es schlechte Nachrichten.

„Polens wilder Westen” – so lautet der etwas reißerische Titel eines Buches, das vor zwei Jahren in Warschau mit dem Preis „Bestes historisches Buch Polens” ausgezeichnet wurde. Beata Halicka beschreibt darin, wie die ehemaligen deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße nach 1945 durch polnische Zwangsarbeiter, Vertriebene und Abenteurer neu besiedelt wurden. Das Buch, das 2013 zuerst auf Deutsch erschienen war, hatte sie als Habilitation an der Europa-Universität in Frankfurt (Oder) geschrieben. An der polnischen Ausgabe arbeitete sie im Rahmen ihrer Professur am deutsch-polnischen Forschungsinstitut in Słubice.

Doch vergangenen Freitag hat die Historikerin, die auch zahlreiche Forschungsaufenthalte in Grenzregionen der USA und Kanadas betrieben hatte, ihre Sachen zusammengepackt. Ab Herbst wird sie an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan (Posen) forschen – 180 Kilometer von der Grenze entfernt. Sie tut dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. ”Denn natürlich ist das eine spannende Aufgabe für mich, auf die ich mich freue“, sagt Halicka. Mit Kummer aber sieht sie, dass das besondere Klima akademischer Nähe und Verständigung, das sich an der Oder zwischen Deutschen und Polen entwickelt hat, nicht mehr wie bisher existieren wird.

Denn mit Halicka werden weitere 24 polnische Wissenschaftler den Grenzort verlassen und künftig an Fakultäten in Posen angebunden. „Das Forschungsinstitut wird zum 30. September aufgelöst”, bestätigt der Direktor des Collegium Polonicum, Krzysztof Wojciechowski. Der Hauptgrund dafür sei, dass es in der polnischen Hochschullandschaft gerade ein großes Aufräumen gebe, weil nach 1990 zu viel Wildwuchs entstand. Wissenschaftler müssen an eine Fakultät angebunden sein, ihre Leistungen werden nach strengeren Kriterien bewertet und finanziert.

Dabei war das Słubicer Institut 2012 gerade deshalb gegründet worden, damit eine Fakultät daraus hervorgeht. Damit wollten die Universitäten Frankfurt und Posen ihre Kooperation auf eine neue Stufe heben. Als im Oktober 2013 die beiden damaligen Staatspräsidenten Joachim Gauck und Bronisław Komorowski das Studienjahr an der Oder eröffneten, zeigten sie sich beeindruckt von diesem Plan. Stand er doch für die oft beschworene vertiefte Zusammenarbeit in der EU.

Freilich war dieser Impuls auch nötig. Denn anders als zu Zeiten der EU Osterweiterung , als nicht nur Polen, sondern auch zahlreiche Deutsche und andere junge Leute zum Studium nach Słubice kamen, hat das Interesse deutlich nachgelassen. Gab es zu Bestzeiten 1900 Studierende, sind es derzeit noch gerade mal 400.

Ein Problem bestand jedoch darin, dass sich die Wissenschaftler der Europa-Universität mit dem interdisziplinären Charakter des Forschungsinstituts nie recht anfreunden konnten. Denn die grenzüberschreitenden Themen, mit denen man sich hier beschäftigte, reichten von der Reinhaltung der Oder über die Kriminalität bis zur Geschichte. „Ein bisschen Misch-Masch”, wie Krzysztof Wojciechowski einräumt. Von den fünf Professuren und sieben Assistenten, die das Land Brandenburg für das CP bezahlt (derzeit mit 1,2 Millionen Euro jährlich), habe überhaupt nur ein Wissenschaftler am Institut mitgearbeitet. Als das Collegium in den 1990er-Jahren noch keine eigenen Räume hatte, mussten noch Büros in einem Kulturhaus und sogar in einer Bank angemietet werden – der Enthusiasmus der Gründergeneration.

Stattdessen entwickelte man in Frankfurt die Idee, dass sich die Fakultät mit den Folgen der Digitalisierung für die Gesellschaft beschäftigen solle. Und begann, an Konzepten zu arbeiten. „Die Latte wurde so hoch gelegt, dass die Realität unter der Latte durchgeht”, beschreibt Wojciechowski in der für ihn typischen Art. Nicht zuletzt im Potsdamer Wissenschaftsministerium, das seine Unterstützung für die Fakultät mehrfach signalisierte, war man darüber sauer. Nachdem klar war, dass der zwischenzeitliche Viadrina-Präsident Alexander Wöll das Vorhaben nicht voran brachte, erleichterte man ihm den vorzeitigen Amtsverzicht mit einer Professur in Potsdam.

Betroffen sind aber auch zahlreiche gesellschaftliche Akteure, für die das Collegium in Słubice eine Anlaufstelle ist, etwa ein Netzwerk für die deutsch-polnische Seniorenarbeit. Stattdessen hat die Uni Posen jetzt in dem Gebäude eine Art Elite-Gymnasium gegründet, an dem ab Herbst die ersten 40 polnischen Schüler für umgerechnet 100 Euro Schulgeld im Monat das Abitur erwerben können.

Auf Nachfragen wurde man von der Viadrina in den vergangenen Jahren immer wieder vertröstet – es gäbe überarbeitete Konzepte und neue Beratungen mit den Posenern, hieß es monoton. Praktisch tat sich wenig.

Dietrich SCHRÖDER

Nach der Veröffentlichung dieses Beitrags erklärte der derzeitige Viadrina-Präsident, Professor Stephan Kudert, dass die Europa-Universität und die Adam-Mickiewicz Uni Poznan in Vorbereitung der gemeinsamen Fakultät einen Master-Studiengang zur Informatik anbieten wollen, der 2019 oder 2020 starten soll.

Zuerst erschienen in der Märkische Oderzeitung.

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