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„Ich bin ein großer Stettin-Fan”

„Ich bin ein großer Stettin-Fan”
Data publikacji: 2018-09-27 12:30
Ostatnia aktualizacja: 2018-09-29 23:35
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– mit Patrick Dahlemann, parlamentarischer Staatssekretär für den Landesteil Vorpommern, spricht Bogdan Twardochleb.

– Was für Probleme hat Vorpommern, dass Schwerin einen extra Mann dorthin schicken muss?

– Der östliche Landesteil ist weit weg von der Landeshauptstadt und den Metropolen Hamburg und Berlin. Deshalb konnte sich Vorpommern nicht so schnell entwickeln wie Mecklenburg. Das Zusammenwachsen in der Metropolregion Stettin erfordert noch viel politische Arbeit. Deshalb war es der Landesregierung wichtig, die Interessen des östlichen Teils stärker in den Blick zu nehmen. Hier sind wir auf einem guten Weg.

– Wie schätzen Sie die deutsch-polnische Nachbarschaft in der Region ein, auf der zwischenmenschlichen Ebene?

– Ich glaube für die Metropolregion Stettin muss man immer die besondere Geschichte der Menschen beiderseits der Grenze im Kopf behalten, die Vertreibung und Zwangsumsiedlung einerseits der deutschen, anderseits der polnischen Bürger, gerade in Westpommern nach dem Zweitem Weltkrieg. Von daher bin ich beeindruckt, wie offen und wie gut die Menschen trotz dieser schweren Vergangenheit miteinander umgehen. Ich erlebe die Polen als unwahrscheinlich gastfreundlich.

– Gibt es also keine Probleme zwischen Deutschen und Polen, zwischen Westpommern und Mecklenburg-Vorpommern?

– Es gibt politische Themen, die man mit einem gewissen Fingerspitzengefühl angehen muss. Die Swinequerung ist ein Thema, wo die deutsche Seite gerade auf der Insel Usedom genau schauen muss, welche Auswirkungen das hat. Aber das ist normal, dass sich Regionen auch über den eigenen politischen Wirkungskreis hinaus damit auseinandersetzen. Diese alten Ressentiments, von wegen die Polen würden nur klauen und die Deutschen sind so geizig und kommen nur, um Butter und Zigaretten zu kaufen – das ist zum Glück vorbei. Das ist gut und dafür ist vor allem die menschliche Begegnung wichtig. Ein solcher Begegnungsort ist zum Beispiel der Tierpark Ueckermünde, quasi der größte ZOO der Stadt Stettin. Der Tierpark hat den höchsten Anteil polnischer Besucher in ganz MV. Um Tiere zu sehen, muss man keine Sprache beherrschen, aber doch ist der Tierpark selbstverständlich auf Polnisch ausgeschildert und die Besucher nehmen das an. Der Zoo ist Vorbild.

– Die Deutschen wollen die Insel Usedom als Erholungsort entwickeln, die Polen wollen Swinemünde als Industriestadt ausbauen. Der LPG-Hafen, der Tunnel unter der Swine, mehr Autos, mehr Menschen – was wird da aus Ihren Plänen?

– Wer sich Swinemünde ansieht, der weiß schon, daß die polnische Seite sehr stolz sein kann. Es entsteht eine der modernsten und schönsten Metropolen an der Ostseeküste. Gleichzeitig entsteht die längste Promenade Europas über Swinemünde und die Kaiserbäder der Insel hinaus. Swinemünde hat den Spagat gesucht zwischen Hafeninfrastruktur und touristischer Entwicklung. Ich glaube, dass man Usedom und Wolin noch mehr als Einheit betrachten muss. Der Bau des Swinetunnels ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. So eine große Stadt kann nicht auf Fährverkehr angewiesen sein. Jetzt müssen wir doch gucken, wie können wir auch die Fernverkehrsströme so regulieren, dass man beiderseits der Insel nicht am Verkehr erstickt. Die Swinequerung ist auch für die deutsche Seite eine große Chance, weil Stettin viel dichter an Usedom rückt.

– Was ist mit Nordstream 2?

– Das ist eine Frage der nationalstaatlichen Regierungen. Warschau beäugt das Projekt sehr kritisch, aber da kann man nur sagen, die Gasversorgung für ganz Europa wird damit auf so sichere Füße gestellt. Mit dem Genehmigungsverfahren ist das durch und Nordstream 2 sollte zügig fertig gebaut werden.

– Es gibt die Sprachbarriere zwischen Deutschen und Polen. Die zu beseitigen ist keine Aufgabe für ein Programm von drei oder fünf Jahren.

– Ich bin schwer beeindruckt, wie viele junge Polen hervorragend Deutsch sprechen, auch ältere Menschen. Und viel zu wenige Deutsche beherrschen Polnisch! Deswegen haben wir als Landesregierung mit unseren Partnern ein Programm zum Nachbarspracherwerb von der Kita bis zum Schulabschluss aufgelegt. Mir war von vornherein wichtig, dass wir das Projekt verstetigen und in die Finanzierung in Kitas und Schulen einsteigen. Das werden wir tun mit dem Ziel, dass mehr Kinder Polnisch lernen. Ich kann den jungen Menschen nicht erklären, warum sie Französisch, Russisch, Latein oder Spanisch in der Schule erlernen, aber wir die Sprache unser Nachbarn nicht beherrschen.

– Vorpommern ist für viele ein Land zum Durchfahren. Wie kann man das ändern, damit mehr Leute in Vorpommern einen Ort zum Leben sehen?

– Die größte Chance für diesen Landesteil ist die geographische Lage. Früher waren wir am Rande Europas, heute liegen wir mitten im Herzen. Unser Ziel ist, die Lage zwischen Berlin und Stettin, den „Floating Gardens” stärker zu nutzen. Für die Erschließung von Industrie- und Gewerbegebieten wollen wir in Pasewalk ein deutsch-polnisches Industriebiet entwickeln, um auch für die polnische Investoren noch attraktiver zu sein.

– Unterstützen Stettin und Berlin diese Pläne?

– Wir bekommen große Unterstützung aus Berlin und Stettin. Für Berlin, muss man sagen, ist die Insel Usedom sehr wichtig, es ist die „Berliner Badewanne”. Deswegen spielt die Bahnverbindung eine große Rolle. Von Stettin haben wir viel Unterstützung. Erstmals war die Stadt Anfang September auf der Leistungsschau in Pasewalk mit einem Stand vertreten. Es ist ein tolles Signal, das ich als Staatssekretär sehr begrüße. Ich bin dem Stadtpräsidenten dankbar für seinen Einsatz.

– Wie finden Sie Stettin?

– Ich bin ein großer Stettin-Fan. Diese Stadt hat so viele Reize. Ob architektonisch, kulinarisch oder kulturell – Stettin ist immer eine Reise wert. Kürzlich habe ich Gespräche im Berliner Bundeswirtschaftsministerium geführt und dafür geworben, dass der Bund uns bei der Koordinierung der Metropolregion Stettin unterstützt.

– Pommern ist ein geteiltes Land, seit 1945 liegt es in zwei Staaten. Das deutsche Vorpommern und das polnische Westpommern haben ein spezifisches Kulturerbe. Wie kann man es gemeinsam pflegen?

– Wir haben eine hervorragende Kooperation zwischen den Museen, zum Beispiel dem Stettiner und dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Durch deutsche Museen selbstverständlich in polnischer Sprache zu führen und umgekehrt durch polnische Museen in deutscher Sprache – das müssen wir weiter ausbauen. Wir müssen das Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte fördern.

– Die Menschen überschreiten die Grenze zwar gerne, aber die Medien kaum. Deutsche und Polen wissen übereinander wenig. Wie kann man das ändern?

– Die Politik muss voranmarschieren. Für mich war die Leistungsschau in Pasewalk so wichtig, weil es ist ein deutsch-polnisches Kulturtreffen ist. Auch der Termin mit dem Marschall war wichtig oder meine vielen Besuche beim Vizemarschall Rzepa – er ist für mich ein ganz toller Kollege. Wir stehen in intensivem Austausch. Bei ihm möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Wir Politiker müssen über unsere Arbeit berichten. Dann haben auch die Medien Material und die Menschen etwas, was sie lesen können. Noch mehr deutsche Politiker sollten polnische Zeitungen Interviews geben und polnische Politiker den deutschen.

– Die Demokratie und die EU haben Probleme. Rechtsextremismus wächst in ganz Europa. Wie kann man Demokratie nicht nur schützen, sondern auch entwickeln und attraktiver machen?

– Wir können Bürgerinnen und Bürgern besser in politische Entscheidungen einbeziehen: Erstens – Politik muss argumentieren und Inhalte vor Ort erklären. Wir tun das mit dem Format „Landesregierung vor Ort”, alle Schweriner Minister erklären sich zwei Mal im Jahr in allen Landesteilen und stellen sich den Fragen der Bürger. Zweitens: wir wollen Volksabstimmungen einführen. Ich glaube, niemand sollte Angst haben vor der Meinung des Volkes, sondern jeder sollte stets wissen, wo wir in bestimmten politischen Themen stehen.

Wir in der Grenzregion wissen, dass die Europäische Union das größte Friedensprojekt und ein Riesenglücksfall ist. Das sollte uns klar sein, dass wir uns auch um diese Zusammenarbeit jeden Tag bemühen müssen, das deutsche und polnische Politik weiter in Hand in Hand geht und wir uns nicht spalten lassen.

– Die Europawahlen im nächsten Jahr könnten jedoch zeigen, wie weit die Spaltung vorangeschritten ist.

– Wir dürfen diese Europawahl nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen zeigen, was wir der Europäischen Union zu verdanken haben. Keine neue Promenade, kein neuer Hafen oder irgendein Wirtschaftsunternehmen oder Infrastrukturprojekt wäre heute in Vorpommern oder in Westpommern denkbar ohne das Engagement der EU.

– Herzlichen Dank.

Mit Patrick Dahlemann sprach Bogdan TWARDOCHLEB

Sprachkorrektur: Nancy WALDMANN

Komentarze

Axel Gerold
»Keine neue Promenade, kein Hafen oder irgendein Wirtschaftsunternehmen oder Infrastrukturprojekt wäre heute in Vorpommern oder in Westpommern denkbar ohne das Engagement der EU« - sorry, aber das ist kompletter Unfug. Die Umleitung staatlicher Gelder über die Brüsseler Bürokratie bringt keinen Mehrwert und hat mit Friedenspolitik auch nichts zu tun.
2018-09-29 23:26:11

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