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Unser Leben in Pomellen

Unser Leben in Pomellen
Data publikacji: 2019-10-03 12:55
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– Susanne Olbrich und Monika Dehr leben im vorpommerschen Grenzland bei Stettin und erzählen von ihrer Nachbarschaft

„Das, was wir jetzt gemeinsam machen, ist die beste Art diese Mentalitätsbarriere zu überwinden. Es geht vor allem darum zu zeigen, dass wir eigentlich alle gleich sind. Man muss sich dem nur öffnen.”

Susanne, Monika, wie kommt es, dass ihr gerade nach Pomellen gekommen seid?

Susanne: Das war reiner Zufall und die Liebe zu dieser Gegend, sonst hätte es ja nicht gleich „Klick” gemacht. Ein Freund von uns war schon hier und so sind wir dann auch hierhergekommen.

Monika: Ich wohne seit neun Jahren in Pomellen. Mit meinem damaligen Mann sind wir hier in der Gegend viel mit dem Fahrrad und auf den Rollschuhen unterwegs gewesen. Uns hat dieser Ort sehr gefallen. Wir haben uns gedacht, dass es nicht weit von Szczecin entfernt liegt und haben es als eine Art „Schlafzimmer” für Szczecin betrachtet. Auf der einen Seite gibt es hier einen schönen See, einen tollen Platz um Kinder aufzuziehen und zugleich keine große Entfernung, um nach Szczecin zur Arbeit zu fahren. 20 Minuten mit dem Auto – das ist kein Ding der Unmöglichkeit. Wir sind also vor neun Jahren hierher gezogen, haben ein Haus renoviert. Ich habe immer die Natur geliebt und es hat mir gefallen, Gemüse im Garten anzupflanzen, Dinge zu Hause zu machen. Außerdem wollte ich, dass meine Kinder ähnliches wie ich früher erleben könnten. D. h. dass sie nach der Schule draußen herumtoben, mit anderen Kindern spielen, auf Bäume klettern, im See schwimmen können und nicht nur die ganze Zeit zu Hause herumsitzen, um im Internet zu surfen. Das können sie auch, aber ansonsten ist das alles hier ein bisschen anders. Wir haben unseren Traumplatz gefunden. Seit eineinhalb Jahren bin ich jetzt alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Ich habe aber trotzdem beschlossen, hier zu bleiben. Ich will meinen Lebensmittelpunkt nicht verändern. Es ist einfach so schön hier! Ich habe in Pomellen auch meine deutschen und polnischen Freunde. Der Alltag hier sieht ein bisschen anders aus als in einer Großstadt. Ich komme ursprünglich aus Szczecin und habe dort 17 Jahre als Reporterin und Redakteurin beim „Kurier Szczeciński” gearbeitet. Eigentlich bin ich ausgebildete Marketing- und Wirtschaftsexpertin und war Mitinhaberin einer PR-Firma. Hier in Deutschland bin ich vor allem erst einmal Mutter und versuche die ganze Zeit, eine deutsch-polnische Gemeinschaft vor Ort zu bilden. Ich möchte auch zeigen, wie viele Möglichkeiten wir eigentlich haben. D. h. ein Ort erschafft nicht den Menschen, sondern der Mensch erschafft einen Ort. Es ist klar, dass die Kinder hier kein Kino haben, keine extra Förderstunden angeboten werden, aber das können wir uns selbst einrichten. Und Susanne ist eben so eine Person, die meine Intentionen versteht. Ich freue mich, dass wir uns kennengelernt haben, dass wir Nachbarn und Freundinnen sind.

Wie haben sich also eure Wege gekreuzt und was unternehmt ihr zusammen?

Susanne: Daran erinnere ich mich gar nicht mehr so genau…

Monika: Na ja, wir haben uns vor allem deshalb kennengelernt, weil wir im selben Dorf und in der selben Straße wohnen… Das muss so fünf, sechs Jahre her gewesen sein. Susanne und Jochen haben uns zum Grillen in ihren Garten eingeladen und eigentlich hat so unsere Freundschaft, unsere Wochenendbekanntschaft begonnen, weil Susanne ansonsten ja in Berlin ist.

Was verbindet euch abgesehen davon, dass ihr Nachbarinnen seid?

Susanne: Wir wollen diesen Ort lebenswerter für alle machen. Meine Vorstellung ist es, diese Gegend, dieses Dorf, die Polen und die Deutschen miteinander zu verbinden, um mehr Identität für dieses Dorf, für diese Heimat zu stiften. Es gibt hier diese Grenze und wir sind die Grenzgänger. Diese Grenze hat das Leben im Ort, aber auch von Stettin bestimmt. Damit müssen wir heute noch umgehen. Es gab viele Etappen, die mit dieser Grenze verbunden sind. Einmal war sie offen, dann war sie wieder zu, dann brauchte man einen Personalausweis, dann wieder nicht. Die ganzen Geschichten zwischen Deutschen und Polen, das spielt alles eine Rolle. Ich bin im Spreewald aufgewachsen. Da lebte ursprünglich ein slawisches Volk, das dieses Gebiet besiedelt hat. Es gab in meinem Leben immer diese Verbindung zum Slawischen. Die Leute von der Ostsee bis nach Zittau leben in diesem Grenzgebiet und man hatte immer miteinander zu tun. Ich kenne das noch aus meinem Heimatdorf – „die Polen” – das wurde so ausgesprochen wie „ein bisschen Monster, vorsichtig sein, ganz gefährlich”. Mit „den Polen” bin ich groß geworden. Bei euch hieß das dann wahrscheinlich „die Deutschen”. So etwas prägt einen das ganze Leben. Und jetzt sind wir plötzlich so eng zusammen. Ich bin so froh, dass dieses „die Polen” überhaupt keine Rolle mehr für mich spielt. Ich habe durch euch Stettin kennengelernt und habe gar nicht gewusst, was es für eine wunderschöne Stadt gleich hier um die Ecke ist. Das hat meinen Radius sehr erweitert.

Monika: Ich würde dem gerne noch etwas hinzufügen. Ich bin Polin. Susanne ist Deutsche. Die Hälfte der Einwohner von Pomellen sind Deutsche, die andere Hälfte sind Polen. Für mich war es selbstverständlich, dass ich alle „Wohltaten”, die Deutschland zu bieten hat, nutzen würde, aber dass ich mich auch den hiesigen Lebensbedingungen anpassen möchte, d. h. ich möchte die deutsche Sprache lernen, die Kultur kennenlernen, aber auch verstehen, welche Regeln für die Leute hier gelten, um diese auch anzuwenden. Das ist für mich selbstverständlich. Aber es ist für mich gleichermaßen klar, dass sowohl die Polen als auch die Deutschen sich integrieren sollten. Wir leben in Deutschland, aber eigentlich geht es um mehr. Es geht um ein gemeinsames Europa. Und es sollte uns allen daran gelegen sein, friedlich zusammen zu leben. Ich würde mir auch wünschen, dass die Deutschen, die hier mit mir zusammen leben, auch mich ein bisschen besser kennenlernen möchten, damit Polen für sie etwas von seinem Schrecken verliert. Szczecin ist die Metropole, die nur 15 Kilometer von hier entfernt liegt. Ich stelle manchmal großes Unbehagen von Seiten der hier ansässigen Leute fest, als ob sie sich wegen der Sprachbarriere vor etwas fürchten würden. Ich glaube aber, dass es dabei mehr um eine Mentalitätsbarriere geht. Und die steht uns noch im Weg. Was wir jetzt gemeinsam mit Susanne machen, ist die beste Art diese Mentalitätsbarriere zu überwinden. Es geht vor allem darum zu zeigen, dass wir eigentlich alle gleich sind. Man muss sich dem nur öffnen. Wir sind mit Susanne und Jochen nach Szczecin gefahren, aber mein Nachbar, der gleich nebenan wohnt, hatte wahrscheinlich noch keine Gelegenheit dorthin zu fahren. Wenn wir etwas zusammen in beiden Sprachen unternehmen, führt das dazu, dass wir uns immer weiter öffnen. Das ist, würde ich sagen, dass grundlegende Ziel unserer Treffen und Veranstaltungen. Es geht nicht darum gemeinsam Alkohol zu trinken und uns zu amüsieren, sondern wir wollen uns kennenlernen.

Was habt ihr hier konkret im Dorf getan, um Deutsche und Polen zusammenzubringen?

Susanne: Seit fünf oder sechs Jahren gibt es ein Parkfest, im ehemaligen Park des Gutshauses. Bei der diesjährigen Ausgabe wollte ich, dass der Flyer zweisprachig herausgegeben und dass er von Marta, einer Künstlerin in unserem Dorf, grafisch gestaltet wird. Monika hat den Flyer übersetzt. Der Flyer wurde in zwei Sprachen gedruckt und überall verteilt. Mir war es wichtig, dass auch die Polen aus Pomellen und der Region Uecker-Randow eingeladen werden und dass sie wissen, dass es dieses Dorffest gibt. Ich wollte, dass dieser deutsch-polnische Aspekt berücksichtigt wird. Wir haben auch eine Sängerin geholt, eine gebürtige Polin, die in Berlin lebt und polnische Chansons gesungen hat. Ich wollte auch etwas Ruhigeres für das Dorffest vorbereiten und habe das dann mit Monika, von der ich gar nicht wusste, was für eine tolle Musikerin wir in der Nachbarschaft haben, zusammen geprobt. Monika hat sich als „Geräuschemacherin” qualifiziert und außerdem wunderbar Geige gespielt. In unserer Kirche haben wir dann eine kleine Geschichte auf Deutsch und Polnisch erzählt und ich glaube, dass war ein großer Erfolg, da wir gleichermaßen die Deutschen und die Polen erreicht haben. Die waren alle ganz gerührt und emotional bewegt. Diese Veranstaltung war sehr stimmungsvoll und hat – glaube ich – ein Zeichen gesetzt.

Was muss noch geschehen, damit sich das Dorf als eine Gemeinschaft versteht?

Monika: Ich glaube, es geht weiterhin um die Sprachbarriere. Viele reden über sie, aber es sind wenige, die sie überwinden. Heute sind ca. die Hälfte der Bewohner von Pomellen Deutsche, die andere Hälfte Polen. Von den Polen gibt es zwei, die ein bisschen Deutsch sprechen. Eine Person davon bin ich. Aber das ändert sich auch. Meine zwei Kinder gehen in Penkun in die Schule. Die ältere in die Regional-, die jüngere in die Grundschule. Leider ist es weiterhin so, dass es keinen Polnischunterricht für polnische Schüler gibt. Dass meine Kinder heute Polnisch sprechen ist allein meine private Initiative. Leider wird auch der Polnischunterricht für deutsche Kinder weiterhin stiefmütterlich behandelt. Szczecin, glaube ich, hat auch für die deutschen Kinder zukünftig ein großes Potential als möglicher Arbeitsort. Wenn die Bevölkerung polnischsprachig wäre, gäbe es meiner Meinung nach weniger Probleme mit der Arbeitslosigkeit. Schade, dass in der Richtung so wenig passiert. Meistens verstehen und unternehmen nur die Familien etwas, die das direkt angeht.

Sprache ist also weiterhin das Grundproblem…

Monika: Wenn es in unserem Dorf einen Aushang gibt, dann verstehe nur ich und vielleicht noch zwei andere polnische Familien, was da steht, weil der Aushang nicht zweisprachig angefertigt wurde. Wenn es irgendwelche Aktionen gibt, dann wissen die Polen oft nichts davon, weil sie nur auf Deutsch bekanntgegeben werden. Wenn die Leute die Sprache nicht verstehen, wird es ihnen auch keine Freude bereiten, zu solchen Treffen zu gehen. In der Hinsicht muss noch viel passieren.

Susanne: Man darf nicht vergessen, dass diese Region immer schon am Rand lag. Die Wende hat viel kaputt gemacht. Die jungen Leute verlassen ihre Heimat, auch wenn sie große Sehnsucht nach ihr haben. Aber was sollen sie machen? Sie haben keine Arbeit hier. Die jungen Leute gehen mit ihren Kindern weg und die Alten bleiben hier. Und dieses Loch, das die Wende hier eingerissen hat, ist zum Teil immer noch nicht ausgefüllt worden. Ich sehe das Potential der jungen Familien, die jetzt zuziehen, aber das muss zusammengebracht werden. Ich bin der Meinung, dass hier eine aktive Kulturarbeit notwendig ist. Gebietsmanager könnten beispielsweise Projekte mit den Leuten, mit den Bürgern, entwickeln. Auf diese Weise könnte man zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen. Zum einen würden neue Arbeitsplätze entstehen und die Bevölkerung wäre zufrieden, dass etwas passiert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Martin HANF

Freier Journalist, Stettin

Erstdruck: www.perspektywa.de/de/artikel/buergerbeteiligung-vor-ort-interview-mit-susanne-olbrich-und-monika-dehr

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