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Die Entdeckung Sagans

Die Entdeckung Sagans
Data publikacji: 2018-09-27 12:34
Ostatnia aktualizacja: 2018-09-27 12:34
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Unweit des grün markierten Waldwanderweges zwischen Żagań, auf deutsch Sagan, und Trzebów (Tschiebsdorf) trifft der rauschende Strom des vom Iserkamm kommenden Queis auf den ruhigen und majestätischen Bober. Noch viele Meter hinter der Mündung des Flusses kann man seine eisigen Wasser spüren, die in ewiger Konkurrenz mit denen des erhabenen Fortsetzers stehen. Diese Demonstration der Naturgewalten spiegelt symbolisch den Grenzlandcharakter dieser Gegend wider. Seit Jahrhunderten ist sie geprägt von den europäischen Wirren der Politik und sich ändernden Grenzen. Quintessenz dieser Geschichte ist Sagan.

Jahrhundertelang lag die Stadt im historischen Schlesien. Ihr Umland wird auch Saganer Land oder Mittlere Oderregion genannt. Nach 1945 wurde sie Teil der Narration über die Ziemia Lubuska, das Lebuser Land, Teil der sogenannten Wiedergewonnenen Gebiete. Die Anfänge der Stadt gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. 1155 entstand die erste schlesische Stadt. Magdeburger Stadtrecht erhielt sie wohl 1230, nach manchen Quellen auch später zwischen 1248 bis 1260. Bis 1472 befand sie sich unter der Herrschaft der schlesischen Piasten. Die Stadtgeschichte spielt sich ab im österreichischen Kaiserreich, in Preußen und im Deutschen Reich, im polnischen Staat und natürlich im Herzogtum Sagan (1274-1935), das im Laufe der Jahrhunderte seine Grenzen veränderte.

Will man Sagans Atmosphäre und Charme aktiv kennenlernen, bietet sich eine Tour zu Fuß oder mit dem Fahrrad an. Ausgangspunkt bildet der touristische Knotenpunkt beim gotisch-barocken historischen Augustiner-Stift, wo auch der grün markierte Wanderweg verläuft. Teil des Komplexes ist die Mariä-Himmelfahrts-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, in der sich die Klosterbibliothek befindet – berühmt für ihre Fresken des schlesischen Kirchenmalers Georg Wilhelm Neunhertz und ihre hervorragende Akustik, die sie dem sogenannten Flüstergewölbe, einer Bauart von Weltrang, verdankt. Seit dem 15. Jahrhundert ist sie nahezu unverändert, was ihr Ausnahmecharakter verleiht. 1769, zu Zeiten des Abtes Johann Ignaz von Felbiger, einem Bildungsreformer, wurde auf dem Kirchturm einer der ersten Blitzableiter Europas installiert.

Folgt man der oben erwähnten Route, verlaufen auf der einen Seite der Bober, auf der anderen die jahrhundertalte Festungsmauern. Zu sehen sind die Ruinen der stillgelegten Haushaltstechnik-Fabrik „Polar”, einst Filiale der Hauptniederlassung in Wrocław. Sie verweisen auf die frühere industrielle Bedeutung der Stadt, in der es zu Zeiten der Volksrepublik fünf Fabriken gab. Żagań gehörte damals zu den wichtigen Zentren der Textilindustrie Polens. Die sogenannte Strukturanpassung führte nach 1989 zum Niedergang. Kurz darauf erreicht man das Schloss- und Parkensemble, das sich auf einer großen Lichtung in voller Pracht entfaltet. Man erblickt das wuchtige Schloss, ein ein Barockgebäude, die historische Residenz der Saganer Herzöge. Dies ist das Wahrzeichen der Stadt, das sich nach Süden hin zu einem malerischen Landschaftspark öffnet.

Sein gegenwärtiges Aussehen verdankt das Schloss dem aus der böhmischen Adelsfamilie stammenden Wenzel Eusebius von Lobkowicz, der eine zum Verwechseln ähnliche Residenz an der Elbe in Raudnitz oder Roudnice besaß. Die Verbindungen Sagans nach Böhmen sind ein weiterer Aspekt des Grenzlandcharakters der Stadt. Die bekannte tschechische Schrifstellerin Božena Němcová ließ eine Szene ihrer Erzählung „Schwestern” in Sagan spielen. Unvergessen ist die Roma-Geschichte der Stadt: von 1950 bis 1953 lebte und schrieb hier Bronisława Wajs, bekannt als „Papusza”, die erste Roma-Autorin.

1628 verlieh Kaiser Ferdinand II. das Herzogtum an Albrecht von Wallenstein als Belohnung für dessen Verdienste für den habsburgischen Staat im Dreißigjährigen Krieg. Schon bald, 1634, starb Wallenstein, und so wurde sein vom italienischen Architekten Vicenzo Boccacci entworfenes „Palais der Träume” nicht fertig. 1646 übernahm der genannte Lobkowicz das Herzogtum und übertrug die Gestaltung des Palais einem anderen Italiener, Antonio della Porta. Beide Herrscher waren unbeliebt – sie zwangen die Bewohner der Stadt zu harter Fronarbeit. Wallenstein soll den Abriss von 75 Häusern angeordnet haben, die die Aussicht von seinem Fenster aus störten.

Eine Tochter aus Semgallen und ein Graf aus Frankreich

Eine Schlüsselfigur für das Saganer Herzogtum war Peter Biron, Herzog von Kurland und Semgallen. Der Landstrich mit dem märchenhaft klingenden Namen befindet sich auf heute lettischem Staatsgebiet, im 18. Jahrhundert war es ein polnisches Lehen. Biron übernahm die Saganer Besitztümer. Damit begann die langjährige Herrschaft der Birons aus Kurland in der Gegend.

Die wohl schillerndste Figur,  die für Schloss, Herzogtum und Sagan selbst steht, war Birons Tochter Dorothea von Sagan, Herzogin von Dino. Geboren bei Berlin, heiratete sie den französischen Grafen Talleyrand-Périgord, und wurde Katholikin und Saganerin. Während ihrer Herrschaft (1844-1862) wurde das Schloss modifiziert, der Park gewann an Pracht. Dabei inspirierte Dorothea der Park in Muskau (heute der Grenzort Bad Muskau), der vom Weltenbummler Fürst Hermann von Pückler entworfen worden war. Die Herzogin gründete ein Krankenhaus, mit dessen Bau 1851 begonnen wurde. Die südliche Fassade des ehemaligen neogotischen Krankenhausgebäudes sieht man, wenn man den Park in Richtung der Boberbrücke verlässt. Teil der Anlage ist auch die reizende Heilig-Kreuz-Kirche mit dem Mausoleum der Saganer Herzöge.

Ein Hollywood-Szenario im Stalag

Zur Jahrundertwende war die Vielfalt der Stadt erkennbar an der Konfessionsstruktur. Wenn auch im Jahr 1880 Protestanten fast 76 Prozent der Bewohner ausmachten, lebten rund 20 Prozent römische Katholiken und andere Christen kleinerer Bekenntnisse in der Stadt. 110 Personen gehörten der jüdischen Gemeinde an. Es gab eine Synagoge, die am 9. November 1938 während der Reichspogromnacht in Brand gesteckt wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zur Bühne der „Großen Flucht” aus dem „Stalag Luft III”. In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1944 flohen 76 Piloten. Der Weg nach draußen führte durch den in gemeinsamer Anstrengung gegrabenen Tunnel „Harry”. Menschen aus der ganzen Welt waren dabei, sogar aus fernen Ländern wie Australien, Neuseeland und Kanada. Im Jahr 1963 hatte die Hollywood-Verfilmung dieser Ereignisse Premiere. Interessanterweise trafen sich frühere Kriegsgefangene des Stalags nach dem Krieg regelmäßig mit dem Lagerkommandanten, der sich während seiner Dienstzeit bemüht hatte, die Genfer Konvention einzuhalten. Als am 13. Februar 1945 die Rote Armee Sagan erreichte, war der Exodus der deutschen Bevölkerung bereits im Gang. Bald schon begannen sich polnische Siedler niederzulassen. 

Vergessene Sorben

Ab 1948 nahmen die Behörden der Polnischen Volksrepublik Flüchtlinge aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Griechenland in Sagan auf. Eine weitere Migrationswelle folgte Anfang der 1990er Jahre, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Russen, Armenier und Georgier in die Stadt kamen.

Auf der 1945 in Bautzen herausgegebenen Karte der Lausitz ist am Rand auch Sagan eingezeichnet. Jene Karte sollte die Bemühungen der Sorben unterstützen, nach dem Krieg einen eigenen Staat zu gründen. Diese kleinste slawische Minderheit hat heute in Deutschland den Status einer Minderheit. Man wird den Eindruck nicht los, dass ihre Geschichte auf polnischer Seite der Lausitz verdrängt und dieses Volk vergessen wurde. Bei einem Ausflug ins „lebusische” Żagań sollte man sich auch diese nicht mehr hier lebenden slawischen Bewohner des schlesisch-lausitzischen Grenzlands in Erinnerung rufen. Ihre Nachfahren leben heute 50 Kilometer weiter in südöstliche Richtung in Brandenburg und Sachsen. Die „kleinen Heimaten” halten eben komplexe Geschichten bereit.

Mariusz WIECZERZYŃSKI

Saganer, Philosoph, Regionalist. Reist gen Osten (geographisch, aber auch mental).

 Aus dem Polnichen von Nancy WALDMANN

Barockschloss in Żagań, historische Residenz der Saganer Herzöge

Fot. Bogdan TWARDOCHLEB

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