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Künstler bilden Nachbarschft

Künstler bilden Nachbarschft
Data publikacji: 2018-01-24 15:06
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An einem Dezembermorgen spazieren Studierende der Universität Wroclaw im Stadtteil Nadodrze durch den Hinterhof eines dreistöckigen Häuserkomplexes. Zwei Mädchen aus Uganda und Hongkong, ein Slowake, eine Estin, ein Brite, zwei Deutsche, eine Tschechin und ein Paar aus Spanien schauen verwundert auf die Häuserwände, ihre Blicke verlieren sich in den Kunstwerken wie in einer exklusiven Galerie: Großformatige Porträts von Anwohnern gleich neben den Fenstern ihrer Wohnungen, riesige Fische, Meeresungeheuer, eine große Biene, Dinosaurier und Hunde – alle bevölkern gleichberechtigt diesen gemeinsamen Raum.

Der Hof an der Roosevelt-Straße 5a ist typisch für den Stadtteil im Breslauer Norden, der auf wundersame Weise vom Krieg verschont blieb, und in der Nachkriegszeit lange verwahrloste. Ähnlich wie in den Stettiner Stadtteilen Śródmieście und Niebuszewo oder in Berliner Bezirken wie Kreuzberg oder Prenzlauer Berg bilden mehrstöckige Mietshäuser der Jahrhundertwende, Kieze mit Hinterhäusern, Seitenflügeln und Wirtschaftsgebäuden. Aus den Fenstern der Wohnungen überblickt man all das.

Einfache Leute wohnen hier, viele schon seit Generationen, seit 1945 die ersten polnischen Siedler herzogen. Dutzende Treppenaufgänge, in jedem mindestens zehn Wohnungen, drinnen: Nachfahren von Lembergern, Großpolen und Roma. Auch neu zugezogene Familien gibt es.

Seit 2013 betreibt der Künstler Mariusz Mikołajek zusammen mit Freunden der Stiftung OK.ART das Kulturzentrum für Hinterhofanimation (OKAP) in der ehemaligen Schreinerwerkstatt. 1984 hat Mikołajek sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Wroclaw beendet, mehr als 20 Mal hat er allein ausgestellt, zudem an vielen Gruppenausstellungen mitgewirkt. Fragt man ihn, warum er hier im Hinterhof arbeitet und Kindern und Erwachsenen beibringt, zu zeichnen und Hunde zu porträtieren, sagt er: „Als ich noch professionell malte, musste ich immer in die Galerie, um zu fragen, ob meine Leinwände verkauft wurden. Und als der irritierte Galerist dann nach langem Suchen mein verstaubtes, unausgepacktes Bild hervorholte, beschloss ich die Malerei hinzuwerfen. Die Arbeit mit Menschen macht mich sehr zufrieden. Und ich bekomme viel öffentliche Aufmerksamkeit”.

Den Hof an der Roosevelt-Straße 5a, auf der Seite, wo die ungerade Hausnummern verlaufen, besuchen nicht nur Anwohner und Nachbarn. Man trifft Leute aus aller Welt. „Pani droga! Gestern waren hier welche aus Japan, und vor ein paar Tagen Amerikaner”, sagt eine Anwohnerin zu einer Erasmus-Studentin. „Stören Sie die Touristen nicht?”, fragt die Studentin. „Aber nein!”, sagt eine andere Bewohnerin, die von den Künstlern im Wandgemälde verewigt ist. Sie steht davor und sagt: „Wir sind stolz auf diesen Ort. Das ist unser Hof”.

Im Kulturzentrum OKAP kann man jeden Tag künstlerisch tätig sein. In Begleitung professioneller Künstler werden lokale Talente geboren und entdeckt. Und was für welche: Laura, Stammgast im OKAP, geht auf eine Oberschule mit dem Schwerpunkt Bildhauerei. Zenon Dębowski, der auch in der Roosevelt-Straße wohnt, arbeitet seit langem an Plastiken und gestaltet zusammen mit weiteren Künstlern die Reihe „Paradiesgarten”, zu dem auch Monster aus Keramik gehören. „Die Menschen finden Freude am Schaffen, sie entdecken den Sinn der Kunst, aber auch ihre Geschichte”, sagt Mikołajek.

Der Kunstgeschichte sind auch die Wandgemälde im Hinterhof auf der anderen Straßenseite gewidmet. Im Rahmen des neuesten Projektes „Kunst entdecken” entstanden dort Kompositionen, die von Werken der großen Maler inspiriert sind, von der Naiven Kunst und sogar von der Kunst des alten Ägypten.

Die Künstler vom OKAP gehen sensibel bei der Arbeit vor. Sie bauen Kontakt auf mit den Anwohnern, den Hausherren, sprechen lange mit ihnen, erst dann laden sie sie ein mitzuentscheiden und mitzugestalten. Sie teilen ihr Können und ihr Wissen, bringen anderen und sich selbst etwas bei. Konsequent setzen sie Schritt für Schritt, in einfachem Tempo, die angekündigten Pläne um. Damit gewinnen sie das Vertrauen der normalerweise eher misstrauischen Anwohner.

Der Stadtteil Nadodrze wird immer beliebter. Neue Kneipen öffnen, lokale Galerien sowie Büros von Vereinen und Hilfsorganisationen entstehen – eine vorbildliche Ehe zwischen Künstlern und Stadtverwaltung. Die Idee kam mit den Grünen Hinterhöfen so ähnlich einst in Berlin-Kreuzberg auf, in Teilen wurde sie später nach Stettin übertragen.

Der Breslauer Stadtvize Adam Grehl, der sich um die Revitalisierung lange vernachlässigter Stadtteile kümmert, ist zufrieden mit der Zusammenarbeit. Leute wie Grehl sowie Jarosław Broda, Direktor der Abteilung Kultur im Breslauer Rathaus und andere sind am Beitrag von Künstler_innen bei der Aktivierung von Nachbarschaften interessiert und garantieren vonseiten der Stadt den Erfolg dieser Konstellation. Die Künstler_innen vom Projekt „Unser Atelier, der Hinterhof” Mariusz Mikołajek, Jan Mikołajek, Witold Liszkowski, Marianna Mądrawska, Irena Rożańska, Manfred Bator, Miłosz Flis arbeiten effektiv mit der Stadtverwaltung zusammen. Verwaltet wird das OKAP vom Kunstzentrum „Światowid”.

Die Erasmus-Studierenden ziehen eine Bilanz ihrer Exkursion nach Nadodrze: „Es ist spannend und ungewöhnlich. Die Anwohner des Hinterhofs haben einen Teil ihrer Privatsphäre geopfert für den Stolz auf ihren Wohnort”.

Marek SZTARK

Aktivist für Kultur und lokale Entwicklung, Direktor des Theaterfestivals der Kleinen Formen „Kontrapunkt”, ehemals Direktor des kommunalen Kulturinstituts „Szczecin 2016” und der stettiner Oper am Schloß, Projektkoordinator „Dolny Śląsk” im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016.

Aus dem Polnischen von Nancy Waldmann

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