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Die schwierige Zäsur

Die schwierige Zäsur
Data publikacji: 2018-04-26 14:09
Ostatnia aktualizacja: 2018-06-28 11:44
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In vielen Orten zwischen Stettin und Berlin ist das Gedenken an das Kriegsende von 1945 speziell. Umkämpft ist es in Polen und Deutschland.

Im Frühjahr reihen sich die Gedenktage zum Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Finale am 8.Mai. Schaut man sich die Gedenkveranstaltungen an, die zwischen Januar und Mai die Region westlich und östlich der Grenze prägen, zeigt sich wie ambivalent, vielschichtig und umkämpft der Umgang mit Erfahrungen des Krieges bis heute ist. Während auf deutscher Seite Aktivisten um den „Tag der Befreiung” kämpfen, müssen in Polen kraft eines neuen Gesetzes Denkmäler und Straßennamen verschwinden, die an jene „Befreier” von 1945 erinnern.

Feiern und Nichtfeiern

In Demmin mobilisieren Neonazis der rechtsextremen NPD wie schon seit Jahren am 8. Mai zu einen „Trauermarsch”, Anlass ist der Massenselbstmord hunderter Bewohner, meist Frauen und Kinder, im April und Mai 1945 kurz bevor die Rote Armee einrückte. Motto: „Wir trauern – wir feiern nicht”. Ein breites antifaschistisches Bündnis kämpft gegen diese Vereinnahmung mit Gedenkveranstaltungen, Mahnwachen und einer „Befreiungsparty”, Motto: „Wer nicht feiert, hat schon verloren.”

Unter dem gleichen Leitspruch lädt die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Nazisregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) seit Jahren am 8. und 9.Mai zum sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park in Berlin ein. Es gibt Gedenkminuten, Führungen zum Ehrenmal, Treffen mit Veteranen der Roten Armee und am Abend eine Freilichtbühne mit osteuropäischem Speedfolk. Gleichzeitig besuchen zehntausende Bürger, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingewandert sind, am 9. Mai das sowjetische Ehrenmal, um Familienmitgliedern zu gedenken und den „Tag des Sieges” zu feiern. In Deutschland ist es zwar seit der Rede des westdeutschen Bundespräsidentenen Richard von Weizsäcker 1985 politischer Konsens, dass der 8. Mai ein „Tag der Befreiung” war, das Kriegsende wird aber abseits der russischsprachigen Community wenig begangen. Seit Jahren fordern der VVN-BdA, Vertreter der Partei „Die Linke” und anderen Aktivisten den 8. Mai zu einem staatlichen Feiertag zu machen – jedoch ohne größeren Widerhall, auch wenn im Mai das Thema immer mal in Zeitungsartikeln diskutiert wird.

Blumen zum Gedenken

Die Ausnahme bilden Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo die Landtage vor einigen Jahren beschlossen haben, den 8. Mai zu einem offiziellen Gedenktag zu erklären. Der Tag ist gleichwohl nicht arbeits- und schulfrei, hat aber symbolische Bedeutung, die darauf verweist, dass das Kriegsende für diese Regionen speziell ist. Hier fanden besonders blutige Kämpfe statt, in Seelow und an anderen sowjetischen Ehrenmahlen werden am 8.Mai Blumen zum Gedenken abgelegt. Außerdem war der Frieden geknüpft an die Teilung der Region. Die östlichen Teile Pommerns und Brandenburgs kamen infolge des Kriegsendes 1945 zu Polen.

Auf der falschen Seite gekämpft

Auch in der polnischen Grenzregion hat das Erinnern an das Jahr 1945 große Bedeutung: Nicht nur, weil es das Ende der deutschen Vernichtungspolitik bedeutete und in der Region besonders Befreiung polnische Lagerinsassen und ZwangsarbeiterInnen. Doch 1945 ist auch das Jahr, in dem aus Stettin – Szczecin, aus Landsberg – Gorzów, aus Kolberg – Kołobrzeg wurde.
Auf dem Soldatenfriedhof in Siekierki, auf dem rund 2000 polnische Soldaten der 1. Polnischen Armee liegen, die bei der Oder-Überquerung im April 1945 starben, findet jedes Jahr ein Gedenkakt statt. Im vergangenen Jahr sprach Präsident Andrzej Duda, wofür ihn der Historiker Sławomir Cenckiewicz, ein Hardliner in Sachen Antikommunismus, scharf kritisierte. Für Cenckiewicz kämpften diese Polen auf der falschen, weil sowjetischen Seite.
Cenckiewicz ist die Speerspitze der neuen Geschichtspolitik der PiS. Diese bringt das lokale Gedenken an das Kriegsende, das Bewohner und Gemeinden nach 1989 oft selbst neu entwickelt haben, in Bedrängnis. In der Lesart der Regierung brachte die schwierige Zäsur 1945 keine Verbesserung für Polen, sondern nurmehr den Beginn einer neuen, ebenso schlimmen sowjetischen Okkupation. Das soll sich auf den Straßen und Plätzen widerspiegeln.

Im Namen der Logik

Auf Grundlage des 2016 eingeführten „Verbots von Propaganda des Kommunismus und anderen totalitären Regimen” werden in diesen Wochen hunderte Kriegsdenkmäler für die Rote Armee und die polnische Volksarmee demontiert, in Stettin, Strzelce Krajeńskie, Stargard, Legnica. Zahlreiche Straßen mussten umbenannt werden. Viele Gemeinden tun das ohne Widerstand und viele Polen unterstützen das. Doch der Teufel liegt im Detail.

Am Heldendenkmal in Słubice legen Vertreter der Städte Frankfurt und Słubice am 8. Mai regelmäßig gemeinsam Blumen ab. 2011 hat es die Stadt saniert, leicht versetzt und mit der Inschrift „Den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs” versehen. Noch ist nicht sicher, ob der Wojewode auf Grundlage des Gesetzes nicht die Demontage des Denkmals anordnen könnte. In Stettin werden am 26. April, dem Tag der Einnahme durch die Rote Armee, Blumen auf dem Zentralfriedhof abgelegt. Das Institut für Nationales Gedenken befand die Straße des 26. April glorifiziere die Rote Armee und sei gesetzeswidrig. Der Stadtrat konnte in mehreren Stellungnahmen die Umbenennung der Straße durch den Wojewoden verhindern – „im Namen der Logik der Geschichte”, wie die Stadträteschrieben, denn ohne die sowjetischen Besatzer hätte der erste polnische Stadtpräsident Piotr Zaremba nicht am 5. Juli endgültig die Regierungsgeschäfte der Stadt übernehmen können.

Proteste in Gorzów

In Gorzów schrieb der Stadtrat eine neue offizielle Begründung für die Straße des 30. Januar, die verschweigt, dass an jenem Tag 1945 die sowjetische Soldaten in Landsberg einrückten. Eine Notlüge, denn andernfalls hätte die Straße umbenannt werden müssen. Am 30. Januar treffen sich jedes Jahr frühere Bewohner Landsbergs und Bewohner Gorzóws, um der Kriegsopfer zu gedenken und ihre Versöhnung zu feiern. Sie läuten die gemeinsam errichtete Friedensglocke, die mit dem aus den 70er Jahren stammenden Denkmal der polnisch-sowjetischen Waffenbrüderschaft auf dem Grunwaldzki-Platz ein Denkmal-Ensemble bildet. Dieses einmalige Ensemble zeigt, wie sich die Erinnerung an das Jahr 1945 in Gorzów weiterentwickelt hat. Das Institut für Nationales Gedenken findet aber, das Waffenbrüderschaftsdenkmal verstoße gegen das Gesetz und gehöre beseitigt. Pläne des Stadtpräsidenten Jacek Wójcicki, das Ensemble zu ersetzen mit einem neuen Unabhängigkeitsdenkmal zur Hundertjahrfeier 2018, stießen im letzten Jahr auf laute Proteste in Gorzów. Die Pläne wurden ad acta gelegt, man will das an 1945 erinnernde Denkmal-Ensemble erhalten. Ob es letztlich bleiben darf, muss der Wojewode noch entscheiden.

1918 anstatt 1945

Es scheint, das für Polen als Staat so wichtige Erinnern an die wiedererlangte Staatlichkeit 1918 steht in direkter Konkurrenz zum Erinnern an das Jahr 1945, das für die regionale Identität vieler Bewohner im Westen und Norden mindestens so große Bedeutung hat. In Zielona Góra ist tatsächlich geplant, das 1965 errichtete Waffenbrüderschaftsdenkmal, das man Anfang der 90er Jahre dekommunisierte und in „Denkmal der Helden des Zweiten Weltkriegs” umgestaltete, in ein Denkmal zur diesjährigen Hundertjahrfeier umzubauen. Und in Stettin erinnert die Allee der Befreiung an die „Befreiung Polens 1918 aus den Fesseln der Teilungsmächte”, wie es in der neuen Begründung des Stadtrats heißt, nicht mehr an die Befreiung von 1945.

Änliche Motive

Der Umgang mit Denkmälern für die Rote Armee könnte links und rechts der Grenze kaum unterschiedlicher sein. Dennoch, die in Polen erbittert geführten Kämpfe um die Erinnerung, werden auch in Deutschland mit dem Erstarken rechter und rechtsradikaler politischer Ansichten zunehmen. In sehr verschiedenen Kontexten setzen sich Deutsche und Polen in der Grenzregion für die Erinnerung an 1945 ein, doch etwas haben sie gemeinsam: den Kampf gegen eine rechte, chauvinistische Vereinnahmung der Geschichte.

Nancy WALDMANN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nancy WALDMANN

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