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Wie ein Kulturzug zum Kultzug wurde

Wie ein Kulturzug zum Kultzug wurde
Data publikacji: 2017-11-29 14:57
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Am Anfang war die Skepsis groß. „Die Bahn stellt uns nur Schrott zur Verfügung, keine Klimaanlage, keine Möglichkeit zu reservieren”, sagte im Frühjahr 2016 ein Berliner Kulturmanager und prognostizierte. „Das nimmt kein gutes Ende”.

Inzwischen sind anderthalb Jahre vergangen, und der Kulturzug zwischen Berlin und Breslau rollt noch immer. Ursprünglich sollte er Berlin und die europäische Kulturhauptstadt Breslau nur von Mai bis Oktober 2016 miteinander verbinden. Dann wurde er bis Frühjahr 2017 verlängert und schließlich noch einmal bis Ende 2018. Ab dann soll es wieder eine reguläre Eisenbahnverbindung zwischen der deutschen Hauptstadt und der niederschlesischen Odermetropole geben.

 Ewa Stróżczyńska-Wille und Oliver Spatz haben von Anfang an den Kulturzug geglaubt. Stróżczyńska-Wille hat die Ausstellung „Gesichter einer Stadt” kuratiert, von der ein Teil auch im Kulturzug zu sehen ist. „Die Lebenswege der Protagonisten gingen oft von Breslau nach Berlin und von Berlin nach Breslau”, sagt die Kuratorin über deutsche Breslauer wie August Borsig, Fritz Haber, Edith Stein und Hans Poelzig, aber auch die Bewohner des polnischen Wrocław, wie den Dichter Tadeusz Różewicz, den Schriftsteller Marek Hłasko oder den Theatermacher Jerzy Grotowski. Hin und her: Fast scheint es, als wären die ausgestellten Gesichter der Stadt Paten des Kulturzugs gewesen.

Ganz im Hier und Jetzt rollt der Kulturzug dank Oliver Spatz. Der Theatermann betreut das Kulturprogramm im Kulturzug, der auf Polnisch „Pociąg (do) kultury” heißt - ein hübsches Wortspiel, das nicht nur Kulturzug bedeutet, sondern auch „Zug zur Kultur”. Auch wenn es mit der Technik, mit dem Empfang der Kopfhörer, den Mikros nicht immer reibungslos klappte, war das Ganze ein Heidenspaß. Auch deshalb, weil das Team von Spatz und Wille, zu dem auch Natalie Wasserman gehört, immer gute Laune verbreitete. So war und ist für alle im Grunde immer etwas dabei. Ein Kulturzug als kulturelle Wundertüte.

Dass trotz der Anlaufschwierigkeiten mit überbuchten Zügen, Zugausfällen und Ersatzverkehr mit Bussen der Kulturzug doch noch eine Erfolgsgeschichte werden kann, ist auch der Politik und der Bahn zu verdanken. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke nutzte den Kulturzug, um mit dem Breslauer Stadtpräsidenten Rafał Dutkiewicz zu plaudern, und zum einjährigen Jubiläum des Zugs trafen sich im Frühjahr 2017 Eisenbahner der DB Regio und der niederschlesischen Eisenbahn Koleje Dolnośląskie zum gemeinsamen Feiern. Eine richtige Kulturzuggemeinde war da zusammengewachsen, nicht nur zwischen polnischen und deutschen Eisenbahnern, sondern auch zwischen Eisenbahnern und Kulturleuten.

Die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. 30.000 Fahrgäste und 300 Künstler zählte der Kulturzug im ersten Jahr. Das war wohl auch für die Politik ein Argument, sich nicht nur für den Fortbestand der außergewöhnlichen Verbindung einzusetzen, sondern auch für eine Weiterfinanzierung des Kulturprogramms. Denn was wäre ein Kulturzug ohne Kultur? Zunächst aus Lottomitteln finanziert, wird das Programm nun von der City-Tax des Landes Berlin unterstützt.

 In Zukunft sollen die Lesungen, Performances, Clubnächte, Gespräche nicht mehr nur im Zug stattfinden, sondern auch im öffentlichen Raum der beiden Städte. Wie das organisiert werden kann, wurde unter anderem beim einem ersten Runden Tisch Breslau und Berlin diskutiert, der im Oktober 2017 im Breslauer Ratsclub stattfand. Dabei wurde auch klar, dass trotz aller gemeinsamer Projekte beider Städte der Kulturzug die symbolische Verbindung ist.

 Der Kulturzug auf dem Weg zum Kult. Das hat inzwischen auch die Jury des Europäischen Kulturmarken-Awards 2017 anerkannt. Am 9. November wurde er im Wintergarten Varieté in Berlin vor 500 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Medien als „Europäische Trendmarke des Jahres 2017” ausgezeichnet.

 So wurde also aus „Schrott” eine „Trendmarke”. Der Kulturzug hat ein kleines Wunder vollbracht, ein europäisches Wunder in einer nicht immer europäischen Zeit.

Uwe RADA

Journalist der Tageszeitung „taz” (Berlin), Publizist, Schriftsteller, Autor unter anderem des Buches „Die Oder - Lebenslauf eines Flusses

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