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Europa verstehen

Europa verstehen
Data publikacji: 2019-03-28 12:28
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Unter dem Motto „Denk‘ ich an Deutschland“ laden die 11. Usedomer Literaturtage vom 31. März bis zum 6. April ein, an den schönsten Leseorten der Insel Usedom ein literarisches Panorama Deutschlands zu erleben.

In den kaiserlichen Seebädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin und im Seebad Zinnowitz geben international bedeutende Autorinnen und Autoren Einblicke in ihr Deutschlandbild. In moderierten Lesungen und Podiumsdiskussionen treten unter anderem Nobelpreisträgerin Herta Müller, Schriftstellerlegende Martin Walser, die neue Usedomer Literaturpreisträgerin Jenny Erpenbeck, Krimibestsellerautorin Donna Leon, der Usedomer Literaturpreisträger 2014 Jaroslav Rudiš, aber auch der Schauspieler Peter Sodann auf. Ihr Nachdenken, ganz nah an der eigenen Biografie und den sie bestimmenden Verwurzelungen und Verwerfungen steht mit der Literatur im Mittelpunkt – persönlich, intim und spannungsvoll.

Dialog pflegen

Intendant Thomas Hummel: „Unsere neue Usedomer Literaturpreisträgerin Jenny Erpenbeck schreibt, dass dort wo der Dialog aufhöre, der Stacheldraht beginnen würde. In Zeiten zunehmender globaler Sprachlosigkeit wollen die Usedomer Literaturtage das Gegenteil: den Dialog feiern und pflegen. Anlässlich von 100 Jahren des ersten demokratisch gewählten Parlaments in Deutschland, 70 Jahren nach der Gründung der DDR und 30 Jahren Deutscher Wiedervereinigung haben wir Schriftsteller*innen eingeladen, die weit über unsere Landesgrenzen hinaus gehört werden. Im Gespräch mit unseren hochkarätigen Moderatoren durchmessen sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Landes. Besonders freue ich mich dabei auf die Nobelpreisträgerin Herta Müller und den Schriftsteller Martin Walser.”

Schriftstellerlegenden

Geprägt von ihren Erfahrungen im totalitären System des Ceauşescu-Regimes schreibt Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller gegen das Vergessen an. 

Vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte, die sie schließlich nach Berlin führte, der Stadt, in der sie heute lebt, widmet sie sich im Gespräch mit Manfred Osten ihrem neuesten Werk „Im Heimweh ist ein blauer Saal“ (Samstag, 6. April, Maritim Hotel Kaiserhof, Seebad Heringsdorf).

Martin Walser, Deutschlands legendärer Schriftsteller lebt am Bodensee, ist Usedom aber eng verbunden. Als ehemaliges Mitglied der Gruppe 47 wird er nicht nur Seebad Bansin, den Geburtsort von Hans Werner Richter, Begründer der einflussreichsten Nachkriegsschriftstellervereinigung besuchen. Die moderierte Lesung lässt Walsers Einsatz für die deutsche Wiedervereinigung im Gespräch wieder lebendig werden und entführt auch in das belletristische und essayistische Werk des großen Schriftstellers (am Mittwoch, 3. April, 15 Uhr, Maritim Hotel Kaiserhof, Seebad Heringsdorf).

Der Schatz Ostdeutschlands

An den Traumstränden der Kaiserbäder, ihrer eindrucksvollen literarischen Geschichte – von Thomas Mann, Theodor Fontane, Hans Werner Richter bis Maxim Gorki – und eleganter kaiserzeitlicher Architektur wollen die Usedomer Literaturtage nicht stehen bleiben, und bis in Mecklenburg-Vorpommerns größtes Industriedenkmal nach Peenemünde gehen.

Der geschichtsträchtige und ebenso geheimnisumwitterte Ort des Eilandes ist auch Thema eines neuen Romans des tschechischen Autors Jaroslav Rudiš, der 2014 den Usedomer Literaturpreis erhielt und mit seinem Werk Verborgenes und Verdrängtes der Geschichte Mitteleuropas ans Licht bringt (Lesung mit Jaroslav Rudiš, Freitag, 5. April, Peenemünde, 15 Uhr).

Den Schauspieler und Regisseur Peter Sodann erleben Gäste erstmals auf Usedom. Mit Manfred Osten spricht er am Sonntag, 31. April in Seebad Heringsdorf (Hans-Werner-Richter-Haus. 19.30 Uhr) über seine Bibliothek: Über eine Millionen Bücher der vergangenen 70 Jahre, die in Ostdeutschland verlegt wurden, hat er seit der Wende gesammelt – ein wahrer Schatz, dessen Bergung ein Schlaglicht auf das Verhältnis von Ost und West wirft.

Eine weitere Premiere erwartet Besucher mit Donna Leons neuestem Roman „Ein Sohn ist uns gegeben“, der erst im Mai veröffentlicht wird, und aus dem die Bestsellerautorin gemeinsam mit der Schauspielerin Annett Renneberg lesen wird (Freitag, 5. April, 19.30, Evangelische Kirche, Seebad Ahlbeck).

Usedomer Literaturpreis 2019

Jenny Erpenbeck, mehrfach mit bedeutenden internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet, erhält den Usedomer Literaturpreis 2019. Die Jury, der der Literaturkritiker Denis Scheck (Vorsitzender) und die Publizisten Dr. mult. Manfred Osten sowie Dr. Andreas Kossert angehören, ehrt die Autorin als „mutige und authentische Stimme der deutschen Gegenwartsliteratur“. Sie betreibe unermüdlich Seelenforschung deutscher Identität(en) und lege dabei „Schichten historischer Erfahrungen frei“. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung liest sie aus ihren Werken „Heimsuchung“ und „Gehen, ging, gegangen“ (feierliche Verleihung des Preises, Gespräch und Lesung mit Jenny Erpenbeck, Moderation: Andreas Kossert, 6. April, Samstag, Seehotel Ahlbecker Hof, Seebad Ahlbeck, 11 Uhr).

Deutschlands Zukunft

Den Auftakt des kulturellen Frühjahrshöhepunktes auf Usedom gibt eine große Podiumsdiskussion zum Thema „Globalisierungsverlierer? – Deutschlands Stellung in einem zukünftigen Europa“ am Sonntag, 31. März um 15 Uhr im Hotel Usedom Palace im Seebad Zinnowitz. Dabei sind unter anderem der Autor und Europakorrespondent der „Welt“ Dirk Schümer und der polnisch Publizist Adam Krzemiński.

Den Zukunftsvisionen der jungen Generation widmen sich die Jungen Usedomer Literaturtage, die sich zum Ziel gesetzt haben, literarisches Potential zu wecken und zu fördern. Dafür wird die Dozentin, Übersetzerin und Autorin Paulina Schulz am 02. April wieder eine Literaturwerkstatt durchführen. In diesem Jahr geht es mit einer Klasse der Europäischen Gesamtschule in Seebad Ahlbeck, nur wenige Meter von der polnischen Grenze entfernt um das Thema „Denke ich an Deutschland“. Gefördert wird die Veranstaltungsreihe von der Achterkerke-Stiftung für Kinder.

Vorurteile überwinden

Die Usedomer Literaturtage wollen durch Literatur Geschichte und Gegenwart Europas verstehen, ungekannte Sichtweisen entdecken und Vorurteile überwinden. Das motiviert seit 2009 renommierte Autoren wie Swetlana Alexijewitsch, Donna Leon, Thea Dorn, Martin Walser, Hans Magnus-Enzensberger, Christoph Hein, Martin Pollack, Hellmuth Karasek (†), Andreas Kossert, Stefan Chwin, Arno Surminski und Marek Krajewski auf die Sonneninsel Usedom zu kommen – einem Ort, der bereits in der Vergangenheit von Theodor Fontane, Maxim Gorki und Thomas Mann geschätzt wurde.

Weitere Informationen/Karten: www.usedomerliteraturtage.de, an allen Touristinformationen der Insel Usedom oder telefonisch unter 038378-34647.

Alexander DATZ

Pressesprecher, Usedomer Musikfestival / Usedomer Literaturtage

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