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Das Findelkind

Das Findelkind
Data publikacji: 2018-03-29 12:17
Ostatnia aktualizacja: 2018-06-28 11:44
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Dem historischen Ostbrandenburg ist im Gegensatz zu Schlesien, Pommern oder Ostpreußen kein eigenes Museum gewidmet. Ist das ein Problem? Ein Vortrag in Berlin.

Mit Ostbrandenburg ist es kompliziert. Wo liegt es? Aus heutiger Sicht: irgendwo hinter Berlin. Ist es nicht da, wo die Märkische Oderzeitung erscheint, die sich im Untertitel „ostbrandenburgische Tageszeitung” nennt? Also in Frankfurt und Umgebung. Nein, sagt Reinhard Schmook, denn das wäre die Negierung der Geschichte: Ostbrandenburg liegt östlich der Oder. Klar, Schmook ist Historiker. Der Direktor des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde ist an diesem Februarabend auf Einladung der Landesgeschichtlichen Vereinigung Berlin-Mark Brandenburg in der Stadtbibliothek von Berlin-Mitte, um Ostbrandenburg zu erklären. Schmook zappt sich durch Slides, sie zeigen Landkarten in verschiedenen Farben. Die Mark Brandenburg im Mittelalter – ein Gebilde, das an einen Greifvogel mit ausgestreckten Flügeln erinnert und von der Stadt Salzwedel bis hoch nach Dramburg, also Drawsko Pomorskie, reicht. Spätere Karten zeigen neue und wechselnde Flecken um den Greifvogel: mal holt sich ein Brandenburgischer Herrscher Züllichau-Schwiebus dazu, mal das Herzogtum Crossen. Der älteste Teil Brandenburgs östlich der Oder heißt auf allen Karten Neumark (in Abgrenzung zur Alt- und Mittelmark) und Sternberger Land. Im 19. Jahrhundert liegt vieles davon im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), der im Westen bis Spremberg und Finsterwalde bei Cottbus reicht und bis 1945 mehrmals seine Grenzen verändert. „Und dann”, Schmook zieht eine polnische Karte hervor: „Ziemia Lubuska!”, sagt der Historiker mit zuckenden Schultern und etwas ratlos. Für ihn eine ahistorisches Gebilde, das von allem ein bißchen hat: ein bißchen Neumark, Stücke Schlesiens, ein bißchen Lausitz.

Im Grunde genommen aber haben die Begriffe Ziemia Lubuska und Ostbrandenburg etwas gemeinsam: beides sind politische Konstrukte, die etwas vereinheitlichen sollten, was nicht einheitlich ist. Das Wort Ostbrandenburg kann man auf Vorkriegskarten lange suchen. Schmook stellt klar, dass die Bezeichnung sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg einbürgerte, nachdem die deutschen Bewohner der brandenburgischen Provinz östlich der Oder gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Die Ostbrandenburger – das sind die, die nicht aus Pommern und nicht aus Schlesien stammen, sondern aus dem Zipfel dazwischen, der mehr als die Neumark war, aber weniger als der alte Regierungsbezirk Frankfurt. Ja, das ist kompliziert! Diese Vertriebenengruppe hat es mit ihrer zersplitterten regionalen Identität ähnlich schwer, wie die Lubuszanie heute. Während das pommersche und das schlesische Kulturerbe jeweils in finanziell gut ausgestatteten Landesmuseen in Görlitz und Greifswald gepflegt und vermittelt wird, hat das historische Ostbrandenburg bis heute kein solches Museum. Das 1999 eröffnete „Haus Brandenburg” in Fürstenwalde wurde allein aus Spenden der Landsmannschaft Ostbrandenburg finanziert, ohne Geld vom Staat. So gut es geht sammelt das Haus hinterlassenes Kulturgut der sterbenden alten Bewohner, organisiert gelegentlich Veranstaltungen mit der Wojewodschaftsbibliothek in Gorzów. Doch für professionelle und stetige Kulturarbeit fehlten die Ressourcen, berichtet Reinhard Schmook, der im Stiftungsrat sitzt. „Ich senke dort den Altersdurchschnitt”, gibt er, Jahrgang 1951 zu bedenken. Es müsse etwas passieren, so der Tenor des Abends. Das überwiegend ältere Publikum nickt.

Schmook berichtet lobend von Initiativen von Kollegen östlich der Oder: regionalgeschichtliche Publikationen wie der „Rocznik Chojeński” des Vereins Terra Incognita, das Festungsmuseum Küstrin oder das Museum Meseritz, das sich mit jüdischer Geschichte beschäftigt, und von der deutsch-polnischen Initiative zum Wiederaufbau der Marienkirche in Chojna, in der sich Schmook selbst seit Jahren engagiert. Wieder nicken viele wissend. Ein älterer Herr, der aus der Gegend von Schwiebus stammt, bekennt seinen Glauben in das inzwischen gewachsene Bewusstsein für das gemeinsame Kulturerbe. Und der aus Stettin angereiste Germanist Andrzej Talarczyk berichtet aus eigener Erfahrung, wie er seine Studenten in einem Seminar zu dem aus Pommern stammenden Schriftsteller Uwe Johnson auch für regionales Kulturerbe interessieren konnte.

Wer also pflegt das historische Kulturerbe Ostbrandenburgs? Seine heutigen Bewohner: Polen. Und das könnte im Grunde eine gute Nachricht sein. Doch der Historiker Schmook glaubt, dass es neben guter grenzübergreifender Zusammenarbeit auch Probleme gibt, die jeder für sich bearbeiten müsse. Und so äußert Schmook neben dem Lob mehr als einmal den Satz: „Die Polen werden uns den Schneid abkaufen, wenn nicht etwas passiert.”

Texst und fotos. Nancy WALDMANN

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